T94 – Ausgekuppelt!

Diese Insel im Mittelmeer lässt uns irgendwie nicht los. Dreimal haben wir die Fähre schon verschoben, immer mit gutem Grund, aber dieses Mal wollten wir die Fähre wirklich nehmen. Nur unser VW Bus wollte nicht. Der will noch bleiben. Und er meint es ernst!

Wir sind unterwegs nach Norden auf der MA20 entlang der Westküste Mallorcas. Landschaftlich wunderschön und wie viele Küstenstrassen auf der Welt, so hat auch diese nur 2 schmale Spuren, die sich in engen Kurven bergauf und bergab durch die Klippenlandschaft winden. An und für sich kein Problem, so ein VW Multivan ist ja ein wendiges Gefährt.

Kurz nach dem Ort Estellencs bleibt auf einmal das Kupplungspedal hängen. Im ersten Moment denke ich mir nichts, zupfe etwas am Pedal herum weil ich glaube, das hat sich einfach in der Gummiauflage verheddert und wirklich kommt es nach nochmaligem Durchtreten wieder ganz raus.

Keine 5 Minuten später bleibt es  wieder hängen, erst als ich meine Zehen darunterhebe und das Pedal herausziehe, funktioniert die Kupplung wieder.

Jetzt bin ich alarmiert. Nix mit verheddert – da hat’s was. Sch…e!!!

Ich kann gerade Bree noch sagen, dass wir ein Problem mit der Kupplung haben, als wir wirklich ein Problem mit der Kupplung haben: Ich trete das Kupplungspedal und es bleibt drinnen. Ganz. Am Boden.

Die Stelle ist echt gefährlich: Unübersichtliche Rechtskurve, steil bergauf. Kein Gang mehr drinnen – ich musste ja runterschalten – und ohne Kupplung bringe ich auch keinen mehr hinein. Wir rollen aus. Bergauf. In einer Kurve. Null Sicht von hinten und SEHR eng. Und viele Motoradfahrer auf dieser Strecke. Wir stehen.

Kurze Panik bei uns beiden – dann schicke ich Bree raus: Steig aus, lauf hinter die Kurve und halt alles auf, was daher kommt. Bree läuft. Wenn jetzt was kommt ..

Ich schaue in den Rückspiegel. Nichts. Gott sei Dank. Puls leicht erhöht. Ich fange an, die Kurve rückwärts hinunterzurollen. Als ich die Kurve hinter mir habe sehe ich Bree, die bereits einige Autos angehalten hat. Die können mich jetzt überholen, aber hier stehen bleiben kann ich nicht. 2 schmale Spuren, rechts Felswand nach oben, links Felswand nach unten zum Meer.

Und jetzt kommt die nächste Gruppe Motorräder. Glück gehabt, daß die nicht 3 Minuten früher dran waren! Sie zeigen uns den Stinkefinger, denken wahrscheinlich wir stehen hier, um mal kurz ein Foto zu schiessen.

Ich steige aus und probiere mit der Hand das Kupplunsgpedal. Kommt wieder raus. Gut. Aber wie oft noch? Ein Blick auf’s Handy. Kein Empfang. Eh klar.

Wir müssen irgendwohin, wo wir Handempfang haben und stehenbleiben können. Also irgendwie weiterfahren ..

Wir drehen um, ich schalte bis zur Dritten und dann wird einfach Gas gegeben. Seit dem letzten mal Schalten auf die Dritte ist das Pedal jedoch nicht mehr wieder herausgekommen. Es bleibt jetzt wo es ist. Ganz am Boden. Aber ich habe einen Gang drinnen. Gas geben – Schwung für die Steigungen. Drei Tonnen wollen ja bewegt werden! Da vorne taucht Estellencs auf. Das Dorf besteht aus einigen Häusern und einer Straße. Aber kein Parkplatz. Keine noch so kleine Parkbucht. Nichts, gar nichts, wo man einen VW Bus auch nur annähernd so abstellen könnte, daß er nicht die halbe Straße blockiert.

Ich erinnere mich an einen kleinen Aussichts-Schotter-Parkplatz den ich bei der Herfahrt im Augenwinkel wahrgenommen habe, so einen Kilometer vor – also für uns jetzt nach – Estellencs. Dort will ich hin. Gas geben. Ich hab nur die Dritte.

Etwas zu flott für Ortsgebiet und viele enge Kurven aber doch: wir erreichen den Platz. Rechts raus, Bremse treten, Auto abwürgen. Wir stehen.

Durchatmen. Nochmal durchatmen. Gut.

Ein Blick auf’s iPhone: Yes. Empfang. Zivilisation. ÖAMTC.

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