T60 – Nordcap

Ich sitze allein auf einem Fels und warte auf den Sonnenuntergang. Walter ist weggeflogen. Wohin und warum soll er selbst in einem der nächsten Beiträge schreiben. Ich jedenfalls sitze auf meinem Fels, den ich mir erklettert habe, baue Stativ und Kamera, sowie Filter auf. Zugegeben hab‘ ich etwas schwammige Knie, denn 30 Zentimeter neben meiner Kamera geht es rund 150 Meter senkrecht abwärts.

Immer wieder hab‘ ich meinen Standort verändert, weil sich der Vordergrund des Bildes unharmonisch ergeben hat. Erst am dritten Fels bin ich zufrieden und beschließe, hierzubleiben. Ich bin unruhig beim fotografieren. Macht aber nichts, denn alle Einstellungen, Bildaufbau oder Ausschnitt ergeben sich wie von selbst. Mit den Gedanken bin ich nur bei der untergehenden Sonne, die von Minute zu Minute die Licht-, Schatten- und Farbabstufungen an Fels, Himmel und Wasser verändert. Ich bin unruhig, weil ich weiss, dass es nur ein kleines Zeitfenster gibt, das ich im besten Fall erwischen kann. Ein Zeitfenster von wenigen Minuten.

Ich warte auf den geeigneten Moment und ab dann geht alles ganz schnell. Ich nehme nichteinmal 5 Bilder auf. Nach wenigen Augenblicken ist die Sonne verschwunden und der Fels hebt sich ohne jede Zeichnung, dunkel vom Himmel ab. Ich verpacke meine Ausrüstung und zurre alles am Rücken fest, damit ich die Hände für den Abstieg frei habe. Diesmal bin ich mit leichtem Equipment unterwegs, also gar kein Problem. Stirnlampe bleibt im Rucksack, die blaue Stunde gibt noch genug Licht für den Rückweg.
Nach einer Dreiviertelstunde Autofahrt hab‘ ich endlich wieder Handyempfang und melde Walter, dass ich auf dem Heimweg bin… Und morgen?

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