Als mich meine Frau Bree vor zwei Jahren fragte, was wünscht du dir? Was möchtest du gerne tun im Leben? Wer oder was möchtest du sein? Da fiel mir ganz spontan nur eines ein: NICHTS.
Jetzt hat die erworbene Freiheit etwas in mir verändert, Wünsche an die Oberfläche gebracht, die, wenn ich jetzt darüber nachdenke, immer da waren. Nur waren sie in der „geht nicht“-Schublade. Dort habe ich sie übrigens selber reingetan, niemand anderer daran Schuld – mein Versehen. Versehen? Echt? Oder Absicht? Aber warum sollte man Wünsche und Sehnsüchte wegsperren? Naja, darauf gibt’s sicherlich viele Antworten und wenn ich so darüber nachdenke, dann sind Bequemlichkeit und Angst vor Veränderung wahrscheinlich die beiden Haupttäter in meinem Fall.
Mir ist damals echt nichts eingefallen. Sosehr ich auch darüber nachgedacht habe. Mir war auch klar, dass ich Wünsche haben möchte, aber da war nichts! War mein Leben so vollkommen? So ausgefüllt und ich daher wunschlos glücklich?
Nach einer Woche in Frankreich ist mir dann eine Veränderung an mir selber aufgefallen: da kamen sie mir in den Kopf, die ersten Wünsche und Ideen, was ich in meinem Leben noch machen wollte.
Zurzeit befinde ich mich in der Phase die Wünsche zu formulieren und zu sortieren, aber ich muss auch aufpassen, sie nicht wieder in Schubladen zu befördern und dort vergammeln zu lassen. Die Wünsche sind ja gut aufgehoben in diesen Schubladen – bei Bedarf jederzeit rauszuholen. Aber ist die Schublade erst einmal zu, dann denkt man nach einiger Zeit gar nicht mehr an all die Dinge, die man so in seinen Schubladen verstaut hat.
Das Leben scheint einfacher, wenn man keine Sehnsüchte und keine unerfüllten Wünsche hat; man ist immer erfüllt und glücklich und jeder Tag reiht sich pflichtbewusst ausgefüllt an den nächsten und das Wochenende ist dann fast schon fad, denn da ist ja kein Geschäft, keine Kunden, keine Pflicht, keine Routinen und …
Aber in Wahrheit ist es nicht einfacher, es ist schlicht und ergreifend einfach weniger Leben. Es ist vorsichtig und fad. Aber das Leben – und wir haben scheinbar nur eines – sollte alles andere als fad sein: bunt, laut, gefährlich, intensiv, spontan und bewusst. Selbtsbestimmt.
