Die Sonne steht bereits tief im Westen und mit jedem Schritt verändert sich das Bild im Sucher, bis ich nahe einer Klippe zu stehen komme, die links von mir abfällt und vor mir den Blick auf das Nordcap freigibt.
Für kitschige Sandstrandidylle hab ich gar nichts übrig, eine halbe Stunde am Strandtuch ist wie eine Strafaufgabe. Wie Nachsitzen zwischen schreienden Kindern und als Draufgabe noch Sand in der Kameratasche. Wilde Steilküsten dagegen bringen mich ins Schwärmen.
Dank des im Norden der Insel verlaufenden Tramuntanagebirges ergeben sich hier wunderbar wilde, zerklüftete Landschaften. Seine Ausläufer reichen bis ans Cap Formentor, das im Nordosten weit ins Meer hinaus reicht und eine grosse, natürliche Bucht erzeugt. Genau dort stehe ich nun. Mit Blick nach Nord-Ost. „El Colomer“ ragt etwas abseits stehend aus dem Meer und zieht das Auge wie magnetisch an. Hinter mir ist ein alter Wachturm in Sichtweite, um den sich wilde Ziegen und Böcke scharen. Alles wirkt wild und ursprünglich. Und wie ein Gemälde. Künstlerin Natur ist und bleibt die Grösste.
