Wir treffen Jemima jeden Sonntag an einer ins Meer ragenden Mole vor Barcelona. Sie ist gebürtige Engländerin, Schauspielerin, lebt in Barcelona und unterrichtet Yoga. Wir rollen unsere Matten zwischen den anderen aus und warten, den Blick auf die Wellen gerichtet. Die Sonne wärmt, der Wind bringt frische Seeluft.
Seit Anfang des Jahres mache ich Yoga (mit Adriane) und bin dankbar für die positive Wirkung, die es auf mich hat. Jemima habe ich erst in Barcelona kennengelernt. Sie ist zierlich, hat wilde, blonde Locken und eine sympathische Ausstrahlung. Ihre Hand ist vollgeschrieben, sie hat den Ablauf der Yogaklasse darauf notiert. Ich weiss nicht, wie ich es anders beschreiben soll, es ist stimmig mit ihr, wie sie uns durch die Yogaübungen führt. Atmen … Bewegung … atmen … Bewegung … atmen … In diesem Moment wird alles klar und authentisch. Wie das Meer.
Nein, ich habe keinen Knall. Ich bin auch nicht megaesoterisch. Ganz im Gegenteil. Mir gehen nur Dinge wie unnatürliche Überzogenheit, substanzlose Selbstinszenierungen, die total verqueren materialistischen Werte, Geldideologien, erzeugte Hierarchien, die gesellschaftlichen, politischen und persönlichen Manipulationen, usw. ganz gewaltig auf den Zeiger. Um in diesen Systemen einen klaren Kopf zu behalten, selbst authentischer zu werden und den persönlichen Weg zu finden hilft dem einen eine Bergwanderung und mir eben Yoga.
Wir hören Wellen. Riechen Salzluft. Die Yogastunde ist vorbei, wir lachen und quatschen in verschiedenen Sprachen; etliche Nationalitäten sind in der kleinen Gruppe vertreten. Ich fühle mich ausgeglichen, schaue Walter an und sehe ihm geht es genauso. Das Meer ist ganz nahe. Aber es ist nicht nahe genug. Walter und ich haben dieselben Gedanken: „Wir sollten segeln gehen!“

„Outdoor Yoga Barcelona“ mit Jemima auf Meetup