T08 – Meisterhafte Höhlenkunst

18.12.1994: Diese Dezembernacht brennt sich für immer in die Erinnerung eines  kleinen Forscherteams. Ihr Fund scheint wie aus einem Traum, mit einer so starken Wirkung auf das Team, dass auf dem Rückweg kein Wort gesprochen wird. Es ist der Fund ihres Lebens.

Frankreich 1994: Die drei Forscher* bewältigen steile und enge Passagen, eine davon fast zu eng, um alle drei passieren zu lassen: „(…) leaving behind us bits of skin and blood on the walls of the tight passage.“**

Zu Beginn zeigen sich vereinzelte Motive, die in den Fels graviert wurden. Doch je weiter sie voranschreiten, desto aufwändiger werden die Darstellungen aus Holzkohle und Ocker, bis sich schliesslich im hintersten Teil des Höhlensystems ganze Kompositionen von detailliert dargestellten Tiergruppen auf Felswänden zeigen. Bewegt und beeindruckt von der Qualität und Harmonie der Malereien beschreibt die Forscherin Eliette ihre Eindrücke: „We get the impression that we disturbed something inside. A sort of presence, confined for thousands of years, has watched us and made us feel so oppressed.“**

hoehlenmalerei
Foto © Perazio Engineering

„Die dargestellten Tiere sind von einer bemerkenswerten Vielfalt. In Bildwänden von bis zu 12 Meter Breite erscheinen Tiere, die sich in der freien Wildbahn bekämpfen würden, in friedlichem Miteinander. Die Entdecker haben bereits über vierhundert Tierdarstellungen erfasst.“***

Wir gehen durch die nachgebauten Höhlenabschnitte des Ausstellungskomplexes „Caverne Pont D’Arc“ und ich kann es kaum glauben, als ich eine perspektivische (!) Darstellung eines Löwenkopfes (eigentlich der beiden Ohren des Kopfes) sehe. Beeindruckend sind auch die Darstellungen von Bewegung und die Nutzung der Felsformationen, die die Wirkung der Tiermotive unterstützen. Mehrfach hintereinander angeordnete Tierköpfe wirken auf mich wie eine Gruppenstudie, oder visualisierte Entwicklungsphase eines Tieres.

Ich frage mich, welche Motivation ein Mensch vor 36.000 Jahren hatte – als die täglichen Themen vor allem dem Lebenserhalt der Gruppe galten – solche (zeit)aufwändigen Kunstwerke an die verstecktesten Wände einer Höhle zu malen? Mit Sicherheit werden wir es wohl nicht erfahren denke ich, aber eines habe ich für mich selbst verstanden: Kreativität in all ihren Formen ist ein Teil des Menschen und derart bereichernd, dass manche der persönlichen Kunst ihr Leben widmen. Sie ist sinnstiftend und bereichert nicht nur den Erzeuger sondern auch den Betrachter (oder Konsumenten um es genereller zu halten). Ohne Kunst wäre das Leben ein Missverständnis. Ein Leben ohne Musik beispielsweise wäre doch einfach nur traurig.

Ein einzigartiger Fund in Südfrankreich der belegt, dass bereits vor 36.000 Jahren Menschen diese Ausdrucksform als wichtig genug ansahen, um solche Kunstwerke zu schaffen. Ein  geniales Erlebnis!

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